Antidepressiva problematisch

von Hans Jörg Pütz

Die dunkle Seite der Stimmungsaufheller

Medikamente gegen Depression

Etwa 5 % der Menschen in Deutschland nehmen Antidepressiva ein. Die Medikamente gelten als gut verträglich. Demgegenüber berichten viele Patienten von starken Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen oder Kribbeln am ganzen Körper, wenn sie versuchen, die Mittel abzusetzen. Die Beschwerden halten mitunter Monate oder gar Jahre an.

Der amerikanische Psychologieprofessor Irving Kirsch untersuchte 2008 in einer Metaanalyse die Wirksamkeit von Antidepressiva. Er kam zu dem Ergebnis, dass diese Mittel Patienten mit leichten Depressionen höchstens minimal und nicht besser als ein Placebo helfen. Darüber hinaus können diese Medikamente unangenehme Nebenwirkungen haben, die ein Placebo nicht hat. Eine neuere Metastudie (Fachblatt Lancet) bescheinigt den Medikamenten ebenfalls nur eine geringfügig bessere Wirkung als einem Placebo.

Doch es gibt Alternativen: Verschiedene Übersichtsarbeiten bescheinigen der Psychotherapie bei Depressionen eine vergleichbare Wirksamkeit wie Antidepressiva – mit deutlich weniger Risiken und Nebenwirkungen. Die Wartezeit auf einen kassenbezahlten Therapieplatz ist leider in der Regel sehr lang. Sind Hilfesuchende bereit, die Kosten selber zu tragen, können sie in Privatpraxen schneller Termine bekommen.

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